Kinderrechte einmal anders

Mein Sohn Benni ist seit geraumer Zeit bei den „roten Falken„.

Das ist eine Kinder – bzw. Jugendgruppe, welche den Pfadfindern ähnlich ist. Es steht zwar eine politische Partei dahinter, aber das ist mir eigentlich egal. Die Kinder haben sehr viel Freude und lernen auch eine Menge nützlicher Sachen. Vor ein paar Tagen haben die Kinder einen Flyer bekommen, wo die Kinderrechte dem Alter entsprechend erklärt werden. Benni interessiert sich sehr dafür und wir hatten ein lange Gespräch darüber.

Besonders interessant ist seine Auslegung der Kinderrechte. Ich möchte euch die nun die Kinderrechte einmal anders vorstellen.

Kinderrechte einmal anders

Kinder dürfen mitreden.

Hurra, mein Sohn darf bei allem mitreden.

Natürlich respektieren wir seine Meinung und versuchen sie, wenn möglich, in unsere Entscheidungen mit einzubeziehen. Benni versteht das natürlich ein wenig anders. Er darf bei allen Entscheidungen mitreden. Welches Auto wir als nächstes kaufen, wann Mama und Papa wieder einmal nett ausgehen dürfen und vieles mehr.

Ich erklärte ihm, dass wir seine Meinung sehr wichtig finden. Aber es gibt halt auch Dinge, welche Mama und Papa entscheiden müssen.

Kinderrechte einmal anders
Kinder müssen gehört werden.

Dieser Punkt ist dem vorigem Punkt sehr ähnlich.

Hier ist gemeint, dass Kinder bei allen Dingen mitreden dürfen, welche sie direkt betreffen. Das finde ich eigentlich selbstverständlich.

Mein Sohnemann hat auch hier seine eigene Vorstellung. Wenn er zu müde ist oder keine Lust hat, braucht er nicht in die Schule gehen. Oder er kann sich vor seiner Hausarbeit drücken, wenn er will. Ja natürlich rede ich mit ihm über diese Sachen. Aber nur genau einmal. Und da gibt es auch keinen Kompromiss.  Er wird gehört, aber leider treffen Mama und Papa die Entscheidungen.

Kinderrechte einmal anders

Jedes Kind hat seine eigene Meinung.

Kinder dürfen sagen was sie denken und sie können das auch gemeinsam mit anderen tun.

Mir ist sehr wichtig, dass mein Sohn seine Meinung sagt. Nur durch Kommunikation ist ein sinnvolles Zusammenleben erst möglich. Er kann auch seiner Mama und mir alles sagen.

Benni meint natürlich, er darf jedem seine Meinung sagen. Zum Beispiel seiner Lehrerin, wenn sie ein unmögliches Kleid trägt. Oder der Mitschülerin, wenn sie wieder einmal eine doofe Ziege ist.

Hierüber haben wir sehr lange gesprochen. Über Fingerspitzengefühl oder Respekt vor dem Anderen. Ich glaube, es hat ganz gut geklappt.

Kinderrechte einmal anders

Kinder haben ein Recht auf Privatleben.

Kinder haben eigene Gedanken und ihre eigene Welt. Niemand hat das Recht unerlaubt in diese Welt einzudringen. Die Ehre und Würde der Kinder müssen von Erwachsenen anerkannt werden.

Das kann ich eigentlich fast genauso unterschreiben. Aber halt nur fast.

Wenn mein Sohn Star Wars spielt, dann ist die ganze Welt sein privates Universum. Er ballert mit seiner imaginären Laserpistole auf ebenso imaginäre Bösewichter. Zuhause ist das für mich ok. Wenn aber beim Weg in die Schule an jeder Ecke ein böser Druide abgeschossen wird, dann muss ich leider einschreiten. Es ist auch nicht so schön, wenn auf Autos oder Straßenbahnen gezielt wird.

Inzwischen ist das gottseidank kein Thema mehr bei uns. Auch hier hat ein sehr gutes Vater – Sohn Gespräch geholfen.

Kinderrechte einmal anders

Kinder wollen informiert werden.

Jedes Kind hat das Recht zu wissen, was ihm zusteht. Im Fernsehen, Internet und Zeitungen muss es interessante Informationen für Kinder geben.

Ok, diesem Punkt stehe ich sehr kritisch gegenüber.

Benni erklärte mir den Punkt so, dass er sich jeden Tag Kindersendungen ansehen darf und auch im Internet spezielle Kinderseiten durchlesen darf. Natürlich gibt es soooo viel Interessantes zu sehen, dass das halt sehr lange dauern kann.

Sorry, aber ohne mich.

Natürlich zeige ich ihm im Internet für ihn interessante und auch altersgerechte Seiten. Natürlich darf er sich auch Kinderinformationssendungen im Fernsehen ansehen. Und seine Kinderhefte bekommt er sowieso regelmäßig von uns. Aber das ganze hat ein Zeit Limit. Eine Stunde am Tag darf er z.B. am PC sitzen. Oder am Abend darf er sich eine Kindersendung ansehen. Aber halt alles zeitlich begrenzt.

Das funktioniert inzwischen schon ganz gut. Er kennt die Uhr und weiß auch, wie viel Zeit er noch hat. Hier ist halt schon bei Kindern Zeit Management gefragt.

Kinderrechte einmal anders

Niemand darf einem Kind Gewalt antun.

Dazu gehören die Ohrfeige und der Klaps auf die Finger, genauso wie das Beleidigen von Kindern. Niemals dürfen Kinder mit Gewalt zu etwas gezwungen werden.

Eigentlich könnte ich diesen Punkt überspringen, da in unserer Familie Gewalt kein Thema ist. Weder körperliche noch seelische Gewalt.

Aber meinen Sohn beschäftigt dieses Thema sehr. Er kann nicht verstehen, dass es in anderen Familien Gewalt gibt. Wie kann jemand seinen eigenen Sohn hauen? Oder warum beleidigen andere Väter ihre Söhne?

Das ist ein sehr heikles Thema und eine passende Antwort zu finden ist für mich sehr schwer. Ich verstehe solche Menschen ja selber nicht. Ich versuche mein Bestes, aber das ist wahrscheinlich nicht gut genug. Eine Entschuldigung für solche gestörten Personen zu finden, kommt nicht sehr glaubhaft rüber.

Benni meint nur nach dem Erklärungsversuch, wie lieb er uns hat.

Kinderrechte einmal anders

Kinder mit Behinderung nicht ausschließen.

Diese Kinder sollen aufwachsen, wie andere Kinder auch. Sie müssen ausreichend Angebote bekommen, damit sie eigenständige Menschen werden können.

Da ich selbst in einem sozialen Beruf arbeite, habe ich viel mit Menschen mit Behinderungen zu tun. Seien es physische oder psychische. Letztere nehmen leider immer mehr zu. Aber so kann ich sehr gut mit meinem Sohn darüber reden.

In seiner Schule gibt es auch Integrationskinder. Benni befasst sich sehr viel mit ihnen. Es macht ihm Spaß und er bekommt auch sehr viel zurück. Das tolle daran ist, das ich dazu nichts gesagt habe. Er macht das aus eigenem Willen, weil es ihm ein Bedürfnis ist.
Kinderrechte einmal anders

Kinder dürfen alles spielen.

Es gibt keine Jungen- oder Mädchenspiele. Es gibt nur Kinderspiele.

Diesen Punkt finde ich lustig.

Als ich meinem Sohn sagte, natürlich darf er auch mit Puppen spielen oder sich „Monster High“ ansehen, erntete ich böse Blicke. Ab einem gewissen Alter erübrigen sich solche Gespräche.

Benni hatte aber auch noch eine eigene Interpretation. Kinder dürfen alles spielen bedeutet, er darf auch alle Videospiele spielen. Auch die, welche erst ab 18 Jahre sind. Unser Gespräch darüber war sehr kurz und leider nicht zu seiner Zufriedenheit.

Fazit:

Das waren die Kinderrechte einmal anders.

Natürlich gibt es noch viel mehr Kinderrechte. Das hier war nur ein Auszug dessen, was bei uns zuhause für den meisten Gesprächsstoff gesorgt hatte.

Ich persönlich finde die Kinderrechte sehr gut. Eigentlich sollte alles selbstverständlich sein, aber wir leben leider nicht in einer Traumwelt.

Kinder haben ihre eigene Interpretation. Sie zeigen sehr viel Hausverstand und wollen die Welt so, wie sie eigentlich sein sollte.