Vaterspiele – Sind Väter zu wild?

Väter und ihre Vaterspiele.

Väter spielen anders mit ihren Kindern als Mütter. Aber sind Vaterspiele zu wild für die Kinder?

 
 
 
 

Die Rüge einer fremden Mama.

Neulich nutzte ich eine kurze Regenpause und ging mit Benni auf den Spielplatz. Der Bub brauchte Auslauf, das merkte man ihm schon stark an.

Neben dem üblichem Spielplatz spielen, ging es auch ein wenig wilder zur Sache. Benni liebt Vaterspiele. Das bezeichne ich als das, was Mama zu wild ist. Wir spielten Kamikazeflieger. Das kennt sicher jeder. Man nimmt das Kind flach am Bauch und Beine und lässt es im Sturzflug nach unter sausen. Natürlich immer gut festhalten und die typischen „Brummm, Wusch“ Geräusche dazumachen.

Benni liebt es und auch mir macht es einen großen Spass.

Aber einer uns fremden Dame hat es nicht so gut gefallen.

Sie kam zu uns herüber und regte sich mehr oder weniger auf. Anfangs wusste ich gar nicht was sie eigentlich will. Aber dann wurde sie ziemlich klar mit ihrer Aussage. Sie meinte, ich kann meinen Sohn nicht so wild herum schmeissen. Und diese Fliegergeräusche sind das allerletzte. Kriegspielen gehöre verboten. Und überhaupt habe ich kein Verantwortungsbewusstsein gegenüber meinem Sohn.

„Wollen sie mitspielen?“

Zuerst war ich nur perplex.

Wer macht hier Kriegspiele?Wem schmeiße ich wild herum?Und wer sind sie überhaupt?

Doch die Dame legte nach. Ich solle mich nicht so blöd stellen, ich wisse genau um was es gehe.

Nun, jetzt hat sie mich gereizt. Ich setzte mein charmantestes Lächeln auf und fragte, ob sie nicht mitspielen wolle. Nur mit dem heben werde ich mir schwer tun, da sie geschätzte 100 Kilo habe. Aber dafür hätte sie ja ihren armen Ehemann.

Nach kurzem Luftholen, erklärte sie mir, sie sei Alleinerzieherin. Und das sei gut so. Wir Väter machen ja eh nur Blödsinn mit den Kindern. Ok, jetzt war mir einiges klar. Aber ich kam gar nicht dazu etwas zu sagen. Benni war jetzt am Wort.

Mein Papa macht keinen Blödsinn.

Mit diesen Worten stellte mein Sohn den Redeschwall der netten Dame ab. Und ich schaute und grinste. Mann,war ich stolz auf meinen Sohn.

Die Frau verschwand wortlos und verließ mit ihrer Tochter den Spielplatz. Benni und ich spielten weiter unsere Vaterspiele und gingen auch bald wieder heim.

Gedanken.

Dieses Erlebnis beschäftigte mich noch eine ganze Weile.

Sind Vaterspiele wirklich so schlecht? Ich entschuldige mich für den Ausdruck „Vaterspiele“, aber mir fällt kein anderes Wort dafür ein.

Mein Daddy hat dieselben Spiele mit mir gemacht. Und genau das hat mir als Kind am meisten Spaß gemacht. Und wenn ich mit anderen Vätern plaudere, dann machen sie es ebenso mit ihren Kindern. Egal ob Sohn oder Tochter.

Klar, meine Frau sieht auch manchmal weg wenn es zu wild wird. Aber ich denke, das ist der Unterschied zwischen Müttern und Vätern. Beide lieben ihr Kind, gehen aber ein paar Dinge unterschiedlich an.

Benni weiß das auch. Papa ist für das Wilde und Abenteuerliche zuständig. Mama ist die Bastlerin und die Ruhigere. Diese Rollenverteilung hat sich im Laufe der Jahre von selbst ergeben. Und das finde ich auch gut so.

Meiner Meinung nach brauchen Kinder beide Facetten. Wir Väter sind ja auch keine Narren und würden unsere Kinder nie in Gefahr bringen. Aber das Ausloten von Grenzen, und seien es nur die abenteuerlichen, gehört zum Kindsein dazu. Und Vaterspiele sind nur ein kleiner, aber meiner Meinung nach wichtiger, Beitrag dazu.