Ausfahrt Rechts

Ausfahrt Rechts

Neulich ging ich mit Benni auf der Straße spazieren. Vor uns gelingt ein Mann mittleren Alters mit seinem Sohn. Sie gingen bei einem Bettler vorbei, allem Anschein nach südländischer Herkunft. Der Mann sah den Bettler an und sagte zu ihm: Scheiß Kanake, gehe was arbeiten. Benni sah mich an und fragte, was ist ein Kanake?

Zuerst überlegen, dann sprechen.

Dieses Erlebnis beschäftigte mich noch lange Zeit.

Zuerst dachte ich mir der Mann ist einfach nur ein Idiot. Einer von den vielen Zeitgenossen, welche zuerst sprechen und dann überlegen. Wie sonst kann man solch einen Ausdruck vor seinem Kind sagen?

Ich selber muss mich auch bei der Nase nehmen. Speziell beim Autofahren beiße ich mir des Öfteren auf die Zunge, wenn Benni mitfährt. Aber inzwischen gelingt mir das schon ganz gut.

Absicht?

Aber inzwischen glaube ich fast, dass dieser Dodl es mit Absicht gesagt hat. Wahrscheinlich wollte er seinem Sohn seinen unglaublichen Wortschatz präsentieren. Man kann sich jetzt leicht ausrechnen, welches Vokabular der kleine Bub einmal verwendet. Aber das ist von seinem Vater ja auch beabsichtigt. Mich würde noch die Rolle der Mutter interessieren. Aber höchstwahrscheinlich haben sich da zwei gefunden.

Gebt den Kindern eine Chance.

Ich finde es höchst bedenklich, wenn Kinder mit rechtem Gedankengut erzogen werden.

Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Das kann einem gefallen oder auch nicht. Man kann auch mit seinen Freunden, Arbeitskollegen oder in Internetforen darüber diskutieren. Aber man sollte auf keinen Fall seine Kinder damit vorbelasteten.

Die kleinen Menschen werden sowieso früher als wir wollen Erwachsene. Und dann sollten sie selbstständig und unabhängig von der Meinung der Eltern ihren Platz in der Gesellschaft bestimmen. Wer ist denn das große Vorbild für die Kinder? Im Normalfall sind es die Eltern. Und im Normalfall wird in jungen Jahren deren Meinung angenommen. Wie oft höre ich Kinder etwas sagen, das sie sich unmöglich selbst ausgedacht haben. Da hört man die Mama oder den Papa sprechen.

Im speziellen Falle dieses kleinen Buben, kann ich ihn mir in ein paar Jahren vorstellen. Wer das Lied “Sascha“ von den Toten Hosen kennt, weiß was ich meine. Dann sehen wir nur einen rechtsradikalen Jugendlichen und verurteilen ihn auf das Schärfste. Dass dieser Mensch aber keine Chance gehabt hat wissen wir nicht.

Ausfahrt Rechts.

Leider Gottes ist dieses Kind kein Einzelfall. Viele Eltern diskutieren vor, oder noch schlimmer, mit ihren Kindern offen über Ausländerhass.

Kinder haben den Erwachsenen gegenüber einen sehr großen Vorteil. Sie haben keine Vorurteile. Ihnen ist es egal, ob ein Mensch weiß, schwarz, gelb, dick, dünn oder sonst wie ist. Diese wunderbare Lebenseinstellung wird Ihnen von den Erwachsenen aber regelrecht zertrümmert. Und das ist in Wahrheit ein Verbrechen an der nächsten Generation. Geben wir ihnen doch die Chancen selbst zu entscheiden. Basierend auf ihrer Lebenserfahrung und nicht durch uns. Sonst heißt es für die Kinder: Nächster Ausstieg rechts.

Fazit:

ich sollte vielleicht noch ergänzend sagen, dass das Pendel in beide Richtungen aus schwingt. D.h., dass ich auch nichts halte von Linksextremismus. Das ist nämlich genau das Gegenbeispiel und um nichts besser.

Meine Message ist einfach: Lasst die Kinder sich ihre eigene Meinung bilden. Rechtes-oder linkes Gedankengut hat in der Erziehung nichts verloren.

Ach ja, Benni hat mich ja gefragt was ein Kanake ist. Ich habe ihm gesagt, dass er sich verhört hat. Der Mann hat gesagt Baracke. Ich bin mir nicht sicher, ob er mir das geglaubt hat. Aber leider ist mir in der Schnelligkeit nichts anderes eingefallen.