Friedhof der Namenlosen

Der Friedhof der Namenlosen hatte in meiner Jugend einen mystischen und unheimlichen Ruf. Wie sieht es 20 Jahre danach aus?

Der Ruf des Unheimlichen.

Wir waren mit Benni an einem schönen Spätsommertag in Simmering spazieren. Um genauer zu sein, verschlug es uns an den Alberner Hafen. Das liegt schon ziemlich an der Grenze zu Schwechat und ist ein sehr schönes Ausflugsgebiet. Und dort liegt auch der Friedhof der Namenlosen.

Wie ich Benni davon erzählte, war er natürlich neugierig, was das denn ist. Er interessiert sich für Tod und was danach kommt. Leider hat er schon geliebte Menschen verloren und wir haben sehr viel darüber gesprochen. Einen „normalen“ Friedhof kennt er ja schon, aber dieser ist schon etwas besonderes.

Friedhof der Namenlosen

Ich erzählte ihm vom Friedhof der Namenlosen das, was ich halt so wusste. Dass vor über 100 Jahren der Friedhof errichtet wurde, für die vielen Toten, welche damals die Donau angespült hatte. Und da von den Verstorbenen keiner den Namen wusste, wurde die letzte Ruhestätte halt der Friedhof der Namenlosen getauft. Ist zwar nicht eine sehr umfangreiche Erklärung, aber für einen siebenjährigen ist sie doch ausreichend. Hoffe ich halt mal.

Natürlich ist das für ein Kind etwas unheimlich. Da werden Tote aus dem Wasser gefischt und einfach auf einem Platz begraben. Machen wir uns nichts vor. Seit mein Sohnemann in die Schule geht, weiß er auch was ein Zombie ist. Hurra, es lebe die Kommunikation unter Kindern. Und auch ein dickes Dankeschön an die Eltern, welche ihren Kids Zombiespiele spielen lassen.

Aber natürlich spielt die Fantasie eine große Rolle. „Papa, kommen die Nachts aus ihren Gräbern?“ Warum sollen denn die Toten hier aus ihren Gräbern kommen? Bei den anderen Friedhöfen stellte er diese Frage nie. „Na, weil es doch Wassertote sind. Vielleicht wollen die wieder ins Wasser zurück“. Irgendwie erinnern mich seine Fragen an meine Kindheit. Ich bin in Simmering aufgewachsen und kenne den Friedhof der Namenlosen schon länger. Aber als Kind hatte ich auch immer die wildesten Vorstellungen, was sich dort Nachts abspielt. Hätte man ihn vielleicht Alberner Friedhof genannt, wäre das ganze kein Thema. Aber Friedhof der Namenlosen hört sich doch wirklich unheimlich an.

Wunderschön gestaltet.

friedhof der namenlosen

Wie schon erwähnt, war ich eine lange Zeit nicht mehr hier. In meiner Erinnerung war es ein eher trostloser Friedhof und relativ verwahrlost.

Aber was ich jetzt hier sehe ist einfach nur schön. Ein sehr gepflegter Friedhof. Vereinzelt brennen Kerzen und es sind viele frische Blumen zu sehen. Bei den, leider viel zu vielen, Kindergräbern sind Stofftiere aufgestellt und ab und zu sieht man ein Keramikengerl, welches einen ansieht. Zu meiner Verwunderung waren doch recht viele Gräber mit Namen versehen. Also doch nicht so ganz Namenlos.

Der Friedhof wird, soweit ich weiß, von der öffentlichen Hand nicht unterstützt. Der Totengräber Josef Fuchs kümmerte sich bis zu seinem Tod aufopfernd um den Friedhof der Namenlosen. Heute sorgen seine Nachfahren dafür. Das verdient in meinen Augen großen Respekt.

Einen Ausflug wert.

Solltet ihr mal in der Nähe sein, schaut euch doch den Friedhof der Namenlosen an.

Er liegt in einem wunderschönen Ausflugsgebiet und hebt sich von anderen Friedhöfen doch deutlich ab.

friedhof der namenlosen